Lungenkrebs-Screening: Frauen könnten profitieren

Lungenkrebs-Screening: Frauen könnten profitieren

Ergebnisse der German Lung Cancer Screening Intervention-Studie mit 4000 Rauchern zeigen das Potenzial eines systematischen Lungenkrebs-Screenings für Hochrisikogruppen.

  • Datum:
    08.07.2019
  • Autor:
    S. Kohlstädt (mh/ktg)
  • Quelle:
    Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)

Ist die Computertomographie geeignet, Lungenkrebs in einem sehr frühen und damit noch gut behandelbaren Stadium zu erkennen? Das haben Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum mit der 2007 gestarteten LUSI-Studie untersucht. Nun liegen die Ergebnisse der Studie vor: Bei beiden Geschlechtern zusammengenommen reduzierte das Screening die Lungenkrebssterblichkeit leicht, aber nicht signifikant. Bei den Frauen dagegen beobachteten die Forscher eine signifikante Reduktion des relativen Risikos um 69 Prozent.

Die Ergebnisse bestätigen vergleichbare europäische Studien, die zusammengenommen starke Argumente für die Einführung eines systematischen Lungenkrebs-Screenings für Hochrisikogruppen liefern.

4000 Raucher nahmen teil

Hinter der Abkürzung LUSI verbirgt sich die German Lung Cancer Screening Intervention-Studie. Etwa 4000 Menschen, die eine jahrzehntelange Raucherkarriere hinter sich hatten, nahmen seit 2007 an der Studie teil. Die Hälfte der 50 bis 69 Jahre alten Teilnehmer unterzog sich über vier Jahre jährlich einer Niedrigdosis-Mehrschicht-CT.

Mit der Studie wollten die Forscher prüfen, ob die MSCT geeignet ist, bei Menschen mit hohem Risiko Lungenkrebs, der noch keine Symptome bereitet, früh und damit in einem möglicherweise noch heilbaren Stadium zu entdecken.

Während der Beobachtungszeit von im Mittel 8,8 Jahren wurden in der Screening-Gruppe 85 Lungenkarzinome entdeckt, 67 waren es in der Kontrollgruppe. Am Lungenkrebs verstarben 29 der Screening-Teilnehmer sowie 40 Patienten aus der Kontrollgruppe. Damit war das lungenkrebsspezifische Sterberisiko mit Screening zwar um 26 Prozent niedriger, doch der Unterschied nicht statistisch signifikant.

Berechneten die Forscher allerdings separat die Lungenkrebssterblichkeit der weiblichen LUSI-Teilnehmerinnen, so ergab sich eine signifikante Risikoreduktion von 69 Prozent in der Screening-Gruppe.

Mögliche Ursachen für Differenzen zwischen den Geschlechtern

Die weiblichen LUSI-Teilnehmerinnen erkrankten deutlich häufiger an einem Adenokarzinom der Lunge als die männlichen Probanden. „Es ist möglich, dass sich diese Krebsart besonders effizient im früheren Stadium nachweisen lässt, einfach, weil sie häufig im peripheren Lungengewebe auftritt, wo sie in einer CT-Untersuchung leicht nachweisbar ist. Andere Arten von Lungenkrebs entstehen häufig zentral an den Bronchien, wo sie auch mit der CT erst auffallen, wenn sie größer sind“, erklärt Stefan Delorme, der leitende Radiologe der Studie.

LUSI wurde vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Heidelberg geleitet. Finanziert wurde die Studie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Dietmar Hopp Stiftung.