Myokardiale CT-Perfusionsmessungen

Myokardiale CT-Perfusionsmessungen

Bisher lieferte die CT nur morphologische Daten zu den Koronargefäßen. Funktionelle Parameter zur Schädigung des Myokards könnten die Aussagekraft der Bildgebung verbessern.

  • Präsentationstag:
    18.01.2018 0 Kommentare
  • Autor:
    ch/ktg
  • Sprecher:
    Fabian Bamberg, Eberhard-Karls-Universität, Tübingen
  • Quelle:
    10. Internationales CT Symposium

Im asiatischen Raum gibt es bereits kommerzielle Anbieter für CT-Perfusionsmessungen (CTP). „Auch wenn das dort bereits klinisch etabliert ist, sollten wir einen Gang zurückschalten und uns fragen: Was machen wir da eigentlich?“, sagte Fabian Bamberg von der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen.

Zur Beurteilung der myokardialen Perfusion stehen zurzeit zwei Verfahren zur Verfügung: Stress-CT und dynamische Akquisition.

CT-Stress-Perfusion

Diese Untersuchung beinhaltet folgende Teile: Prä-Scan, Scout Image, Kontrastmittelgabe, Ruhephase, Adenosin-Gabe, Stressphase und Spätphase (Shehata ML et al. Radiographics 2014).

Als Beispiel, dass die Technik gut funktioniert, zeigte Bamberg Bilder einer tierexperimentellen Validierungs-Studie von Hoffmann et al. (Radiology 2004) und ergänzte: „ Das funktioniert auch bei Patienten.“

Für die Einstellung empfahl Bamberg beispielsweise weiches Kernel (z.B. B10), Kurzachse sowie weiches Fenster. Als wichtigste typische Artefakte nannte der Referent das Beam Hardening und Banding Artifacts, nachzulesen im Review zur myokardialen CT-Perfusion von Branch et al. (Cardiovasc Diagn Ther 2017).

Dynamische Akquisition

Bei dieser Technik werden innerhalb von rund 30 Sekunden sequentielle Aufnahmen generiert. Die Strahlendosis liege hier höher – bei rund 5mSv – als bei statischer Akquisition, so Bamberg.

Blutfluss und Blutvolumen des Myokard werden anschließend in der Nachbearbeitung pro Voxel berechnet.

Studienergebnisse

Die diagnostische Genauigkeit der CT-Perfusion untersuchten Sharma et al. (Int J Cardiol 2015). Die Autoren verglichen das Verfahren mit Befunden der CT-Angiographie. Für PatientInnen mit schwerer Koronarstenose lieferte die Kombination beider Methoden die besten Ergebnisse.

Coenen et al. zeigten in einer aktuellen Studie, dass die Kombination von CTP mit Fluss-Simulationsmessungen (CT-FFR), einer ebenfalls neuen Technik, synergetische Effekte hat und bessere Ergebnisse liefert (JACC 2017): beide zusammen erreichen bei der Detektion relevanter Koronarstenosen eine diagnostische Genauigkeit von 79% –CTP sowie CT-FFR alleine erreichten jeweils lediglich 70%.

Im Vergleich zur kardialen MRT scheint sich die CT-Perfusion ebenfalls behaupten zu können (Bamberg et al. JACC 2014).

Fazit

Bamberg stellte die CT-Perfusion als neue Methode mit hohem Potential vor, betonte aber: Die Technik befinde sich noch in der Entwicklungsphase. „Wir wissen noch nicht, wo uns das alles hinführt“. Der (zusätzliche) Nutzen für den klinischen Alltag müsse erst noch bestimmt werden.

In diesem Kontext wies Bamberg auf aktuelle Ergebnisse der ORBITA-Studie hin (Al-Lamee R et al. Lancet 2018), die zurzeit von KardiologInnen heftig diskutiert werde. Die Studie unterzog PatientInnen mit schwerer Koronarstenose einer perkutanen Koronarintervention oder einem Plazebo-Eingriff. Danach zeigten die Gruppen keinen signifikanten Unterschied im Belastungstest oder bei der Angina pectoris Symptomatik. Welchen Einfluss diese Ergebnisse auf die Diagnostik und Therapie der KHK haben wird, sei noch nicht abzusehen.

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